Laufen hat mein Leben verändert

Ein Bericht von Matze

Ich habe noch keine besonders lange Beziehung zum Laufen – wir lernen uns immer noch kennen. Solange ich denken kann, mich zurückerinnern kann, waren das Fahrrad und ich die Nummer 1. Ich bin schon mit dem Rad alleine in den Kindergarten gefahren und war einfach viel zu faul zum Laufen. Selbst als Schüler habe ich lieber mein Fahrrad aus dem Haus geholt um zwei Häuser weiter – ja genau zwei Häuser weiter – zu meinem Schulfreund zu fahren, statt die 50m zu laufen.

 

Der Traum vom Ironman

 

Erst vor ca. fünf Jahren musste ich mich mit dem Thema einen Fuß vor den anderen zu setzten beschäftigen, denn ich wollte Ironman werden.

Ironman kann man sich nicht kaufen, dass ist etwas was man sich erarbeiten muss. Dazu gehört es 3.8 km zu Schwimmen, 180.2 km mit dem Rad zu fahren und halt ein Marathon logischerweise mit 42.195 km zu absolvieren.

Die ersten zwei Disziplinen: „Ok, kein Ding“. Aber wie soll ich das Ziel erreichen, wenn ich das letzte Mal bei den Bundesjugendspielen in der 8. Klasse wirklich 1000m am Stück gelaufen bin? Na gut, 2002 habe ich noch einmal über die 5.6 km beim JP-Chase-Lauf teilgenommen.

 

Die ersten Laufvorbereitungen

 

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Laufvorbereitungen. Ich bin zunächst entschlossen in ein Lauffachgeschäft gegangen und habe denen gesagt, dass ich jetzt Laufen will und einen Schuh brauche. Der Verkäufer fragte mich nach meinen Ambitionen, was ich denn vor hätte. Ich meinte ganz selbstverständlich, dass ich in zwei Jahren Ironman auf der Langdistanz werden will und vorab Mal einen Marathon laufen wollte. Im ganzen Laden wurde es still und ich fühlte wie mich ein dutzend Augenpaare anschauten.

Bis dahin dachte ich, dass das eine ganz normale Idee wäre und fragte ob acht Wochen Training ausreichend wären um sich auf einen Marathon vorzubereiten. Es war Anfang September und somit ca. acht Wochen bis zum Frankfurt Marathon. Immerhin konnte ich damit den Anwesenden ein Lächeln entlocken und der Verkäufer meinte ich sollte erstmal mit kürzeren Distanzen beginnen.

Ich dachte mir, gib mir einen Schuh und dann sehen wir mal weiter, da ich mein Ziel kannte!

 

Es ging los, mein erster Lauf ging über 6.5 km und der erste Kilometer war faszinierend.

Ich hatte fast Pipi in den Augen hinter meiner Sonnenbrille und dachte mir: „Ok – du läufst, du läufst wirklich, du bist jetzt auf dem Weg zu dem Ziel!“

Ich weiß nicht mehr in welcher Zeit ich meinen ersten Lauf absolviert hatte, es spielt auch keine Rolle, denn ich war glücklich.

Schnell merkte ich, dass der Verkäufer, den ich noch immer häufig bei diversen Laufveranstaltungen treffe leider Recht behalten hat und ich erst mit kürzeren Wettkämpfen beginnen sollte, damit sich auch mein Körper an diese Art der Fortbewegung gewöhnen kann.

Kürzer geht immer und so habe ich die Distanz optimistisch halbiert und landete beim Frankfurter Halbmarathon im Frühjahr des folgenden Jahres. Auch dieser Wettkampf war noch viel zu lang und ich nicht ausreichend vorbereitet aber für mich war es wichtig ihn zu finishen.

Im selben Jahr nahm ich bereits am Ironman 70.3 in Wiesbaden Teil, als kleines Handicap gab es: einen gebrochenen Zeh. Ich hörte im Wettkampf auf meinen Körper und lief glücklich ins Ziel.

 

Die Faszination Laufen

 

Bereits zwei Wochen später bekam ich eine Einladung die ich nicht abschlagen konnte.

Die Mainova stellte mehrere Staffeln für den Frankfurt Marathon zusammen und es gab vorab ein sechswöchiges Training unter anderem mit Petra Wassiluk, einer ehemaligen Leistungssportlerin und Olympiateilnehmerin. Sie sagte zu mir beim ersten Treffen einen entscheidenen Satz, an den ich mich jedesmal erinnere wenns mal schwierig wird beim Laufen: „Du läufst zu schnell, die Arme sind der Motor der Beine“

Danke dafür, Petra, ich gebe den Armen seitdem öfters mal die Chance sich zu beweisen.

Sechs Wochen später ging es mit einem fantastischen Team an den Start. Dieses Gefühl war mega und noch besser war der gemeinsame Zieleinlauf in der Festhalle!

Die Faszination Laufen wurde auf eine neue Stufe gehoben – ich war überwältigt.

Das erlernte aus dem sechswöchigen Marathontraining der Mainova nahm ich mir zu Herzen und trainierte weiter. Jedoch sollte ich bald an meine Grenzen stoßen. Ich kam zwar irgendwie über die Distanz und hatte mir mittlerweile auch eine Pulsuhr zugelegt, aber es half mir nicht weiter. Technik allein bringt noch keinen Vorteil.

 

Laufen in der Gruppe

 

Ich suchte mir für mein Vorhaben ja schon fast akribisch eine Laufgruppe, einen Lauftreff aus und landete bei den Urban Runners Frankfurt. Auf die wurde ich durch einen Freund über Facebook aufmerksam und verfolgte deren Aktivitäten seit paar Monaten unregelmäßig. Ich traute mich anfangs nicht hin und dachte, dass da nur Profis mitmachen und ich da nicht mithalten kann. Ich fand immer eine Ausrede, warum ich diese Woche nicht hingehen kann.

Irgendwann war der Wille größer und keine Ausrede mehr parat.

Was soll ich sagen, der Tag veränderte mein Leben. Die Truppe war lustig, es gab keinen Leistungsdruck, kein Wettrennen dafür paar Technikübungen und einen lockeren Lauf über ca 8 km.

„Toll, das behältst Du mal so bei!“ dachte ich mir und so kam das Eine zum Anderen…. viele schöne Trainingsläufe, der Mittwoch war fest gebucht. Ich sagte alles andere ab um mittwochs zum Lauftreff zu gehen.

So war es keine Frage, dass ich in dem Jahr auch mit den Urban Runners Frankfurt gemeinsam zum nächsten Staffellauf bei Frankfurt Marathon an den Start gehe. Auch dieses Mal war es berauschend durch Frankfurt und durch die Festhalle in das Ziel zu Laufen. Wir erhielten nachträglich noch ein besonderes Andenken und sind im Marathonbuch von 2017 auf einer Doppelseite verewigt. Danke für dies Aufnahmen, für diesen Augenblick!

Meine Ironman Langdistanz hatte ich zuvor bereits absolviert und somit auch meinen ersten Marathon nach zwei Jahren Vorbereitung in der Tasche.

Ich kann nur jedem raten, sich einer Laufgruppe anzuschließen. Die beißen nicht, man lernt andere Leute kennen, die auch Freude an der Bewegung haben, das Laufen lieben und keiner ist in der Regel zu langsam. Viele Laufgruppen bieten unterschiedliche Lauftempogruppen an – so kann wirklich jeder mit Freude dran teilnehmen.

Laufen verbindet – da ist definitiv etwas dran. Erfahrungen und erlebtes stärken jeden von uns. Ich habe auf meinem Weg zum Ironman und jetzt noch darüber hinaus viele liebenswerte Menschen getroffen, vieles erlebt was ich ohne dem Laufen niemals hätte kennenlernen dürfen. Auch mein Privatleben teile ich glücklich mit einer Läuferin.

Alles fängt mit einem Schritt an, mit einem Willen und jeder der will kann auch einen Schritt gehen.

Hätte ich mir vor paar Jahren nicht das Ziel gesetzt Ironman zu werden, würde ich heute wahrscheinlich nicht Laufen und wäre aber ganz sicher nicht beruflich und privat an der Stelle an der ich derzeit bin – und das glücklich!

 

Deshalb ist es mir eine ganz besondere Ehre dieses Jahr als Teil der Skylinerunner, wieder einem ganz besonderes liebenswerten Haufen an Sportlern und Menschen aus allen Altersklassen den Frankfurt Marathon zu repräsentieren und diesmal die volle Distanz zu absolvieren. Es ist ein weiteres Jahr in dem der Frankfurt Marathon eine besondere Bedeutung für mich hat und somit immer in Erinnerung bleiben wird.

Falls ihr Lust habt und nicht wisst, ob ihr das schaffen könnt, dann probiert es. Ich laufe häufig am Main und wenn du mich siehst, dann trau dich, ich beiße nicht aber ich laufe gerne eine Runde mit dir in deinem Tempo.

Du kennst dein Ziel – dann schaffst du es auch.

  • ÜBER DIE AUTORIN

    Christina Dörr

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